Jagd- & Forstwesen – geschichtlicher Überblick
Im Deutschen Kaiserreich und auch später gehörten Jagd- und Forstbehörden traditionell
zu den gehobenen bürgerlichen und oft aristokratischen Kreisen.
Jagdwaffen und Hirschfänger dienten nicht nur praktischen Zwecken,
sondern waren Ausdruck von Stand, Rang und Tradition.
Ein Hirschfänger wurde im praktischen Jagdbetrieb genutzt, etwa für den
letzten Fangstoß, gleichzeitig aber auch als Parade-Blankwaffe
zu Uniformen von Förstern, Jägern und Beamten getragen.
In vielen Fällen besaß ein Einzeljäger sowohl ein funktionelles als auch ein repräsentatives Exemplar.
Kaiserzeitliche & frühe Hirschfänger
- Klinge: meist geschwungen, teils mit Hohlschliff; oft Jagdszenen, Rehwild, Eichenlaub
- Griffe: Hirschhorn mit Zwinge, Messing, Neusilber oder versilberte Monturen
- Parierstücke: Eichenlaub, Hirschköpfe, Eichelmotive, Jagdtrophäen
- Monturen: teils sehr reich verziert, oft geprägt oder handgraviert
- Scheiden: Leder oder Metall, häufig grün, schwarz oder braun
Hirschfänger der Deutschen Jägerschaft (1934–1945)
Die Deutsche Jägerschaft (DJ) wurde unter Reichsjägermeister Hermann Göring
zentralisiert und vereinheitlicht. Die DJ-Hirschfänger waren aufwendige
Parade-Seitenwaffen mit folgenden Eigenschaften:
- Griffe: Hirschhorn, teils dunkle Hornschalen
- Emblem: Jagdmotive (Hirsch, Eichenlaub, Zielscheiben); Offiziersmodelle oft mit vergoldeten Details
- Scheiden: grüne oder schwarze Lederscheiden mit versilberten oder vernickelten Beschlägen
- Klingen: aufwändig doppelt geätzt mit Jagd-, Hunde-, Wald- und Landschaftsszenen
- Ausführungen: kurze, lange und Offiziersvarianten
Forstbeamte & Jagdbehörden
Beamte des Forst- und Jagdwesens trugen besonders hochwertige Hirschfänger.
Diese zeichneten sich aus durch:
- Versilberte oder vergoldete Monturen
- Handgravuren mit Wildmotiven
- Massive Hirschhorn-Griffe
- Scheiden mit Eichenlaub- oder Jagdtrophäen-Verzierungen
Sammlerhinweise
- Klingenätzung: klare, tiefe Ätzungen ohne Polierschäden
- Beschläge: original versilbert/vernickelt, kein Nachlack
- Hirschhorn: keine Brüche, authentische Patina
- Scheiden: vollständige, ungekürzte Leder- oder Metallscheiden
- Besonders selten: Förster-Offiziersmodelle, Geschenkstücke, Hersteller-Großgravuren